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Seite 1 von 3 letzte Aktualisierung im März 2010 "Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen?" (Thomas Mann) Weite Teile des heutigen Ortsteils Lüttelforst gehen auf den sog. "Landesausbau" im Hochmittelalter zurück. So nennen Historiker eine Expansions- und Wachstumsphase im 13. Jhdt., in deren Verlauf die Land- und Subsistenzwirtschaft die Schalm-Nette Region als Kulturlandschaft nachhaltig prägte. Die Strassendörfer sind heute überbaute oder zersiedelte Reste eines ehemals prominenten Siedelungsbildes: Geographen bezeichnen die Bauernreihen in Abgrenzung z.B. zu Haufendörfern um einen zentralen Platz als Hufen-oder Waldhufendörfer. Hufe sind auch ein altes allerdings nicht genormtes Fächenmaß. Aus historischer Perspektive wird mit der Hufenverwaltung eine Grundbesitzreform in Form der Bodenleihe eingeleitet, in deren bis in das 19.Jhdt. reichenden Verlauf sich die Bauernschaft von Leibeigenschaft und Frondienst befreite im Unterschied zu den deutschen Ostgebieten mit ihrem zentralen Herrenhöfen. Die Hufe waren abgabepflichtig (vgl. den Flurname "Halfenfeld" in Lüttelforst), lagen abseits des Herrenlandes und wurden in den Wald gerodet. Viele Ortsnamen wie das benachbarte Unge-rath, Dilk-rath oder Rickel-rath bezeugen noch diese Gründungsmaßnahmen. Die hiesige Region, die sich vor der Etablierung teritorialer Mächte wie z.B. Jülich-Berg wohl ursprüglich in einer Grundherrschaft befand, war ein Zentrum solcher Ausbauten. In Lüttelforst ist bis heute das Siedlungsbild dank des Bodenreliefs direkt am Hang des Schwalmtals besser als anderswo erhalten. Das macht die Siedlung für den Tourismus sowie für den Geographieunterticht interessant. Obwohl vom Landesverband Rheinland seit 1994 als Denkmalbereichszone geschützt, ist das Ensemble in Folge politischer Entscheidungen des Waldnieler Rathaus' gegen die Mehrheit der Betroffenen in Folge geplanter Erweiterung des Tagebaus von Kies und Ton aktuell gefährdet!
Die Rodung Namens- kunde Anfänge der Besiedelung | Nach den Römern war der o.g. Landesausbau die 2. Rodungswelle, woran noch allerorts Orts-, Flur- oder Hofnamen erinnern, die z.B. auf -rath, -rode enden. Auch der Name Lüttelforst zählt zu dieser Wald- und Rodungsgruppe der Ortsnamen. Neben "lütt" von niederfränkisch klein (vgl. auch im niederdt. "lütte" od. "lütj(g)e" für Kleiner) ist die Namensableitung von -forst oder -vorst nach forestris aus lat. foris für "draußen, ausserhalb" ein Hinweis: Für die Römer war diese Bedeutung wohl synonym mit Wald, auch silva. Forst wurde als Lehnwort übernommen, bei dem aber die Nebenbedeutung von ausserhalb, jenseits der Zivilisation verschwand. Und "lüttel" steht dann in Beziehung auf die einst eher große bewaldete Höhe der Hardt ("Up der Hardt") in östlicher Nachbarschaft. Heute ist dort kein Wald mehr, aber die Durchgangs-strasse erinnert als "Vorster Strasse" noch daran. Unser Ortsname Lüttelforst zeigt also die Lage an und erinnert zudem an die Umstände bei der Gründung im Zusammenhang grundherrlicher Rodungsmaßnahmen. Wann genau mit dieser tatsächlich begonnen wurde ist derzeit nicht zu datieren! Archäologische Grabungen sind in Lüttelforst bislang m. W. nicht durchgeführt worden. Vielleicht entstand in der Schwalmniederung zunächst ein "Vorwerk" (altes dt. Wort nach Adelung für von Hof u. Salland abgesondertes Land oder Befestigung; vgl. auch den Ortsnamen Neuwerk bei MG) fränkischer Pioniere. Tatsächlich aber war nach der Rodungswelle im Hochmittelalter unsere Siedelung abgelegen genug, um den o.g. Namen zu motivieren. Der räumliche Abstand (ca. 7Km) vom Land der Grundherren von Amern war wohl entscheidend für die frühe Ablösung und Erhebung zur einer selbstständigen Pfarre und die weiteren Dorfgeschichte; siehe hierzu auch die Rede von Dr. Wolgang Löhr: "Gedanken zur Geschichte Lüttelforsts" ... | Landes- ausbau im Mittelalter | Möglich auch, dass sich die o.g.namensgebende grundherrliche Maßnahme zunächst auf einen Kern oder (Lehns-)Hof beschränkte. Verbesserte Anbaumethoden sowie die Überlassung von Land auf kargen Trassenböden waren für den weiteren Ausbau sicher ausschlaggebend, die aber nicht in gleicher Weise wie die dt. Ostgebiete oder die Besitzungen in Übersee mit einem "Schlag" wuchsen. Wahrscheinlicher erscheint, dass sich einzelne Einödhöfe in der Schwalmniederung in Reihe ansiedelten. | | Waldhufen | Diese sog. Hufe erstreckten sich als streifenförmige Parzellen von der Schwalm aus nach N bis NE über die Terassenplatte in Richtung Ungerath (Rodungsname ), Schomm bis zum Kranenbachtal auf eine Länge von mind. ca. 700m. Dabei wurde nach fränkischen Siedlungsmuster in der Nähe zur Tallage gesiedelt. Mit den Hofstellen südlich der steilen Auszug aus frz. Tranchotkarte um 1805 Kante der jüngeren Hauptterrasse von Rhein und Maas als natürlicher Leitlinie und Achse enstand mit der Zeit der klassische Typ eines einzeiligen Reihen- oder Waldhufendorfs; nicht als Dorfverband sondern als Aufreihung von Einzelhöfen wie es heute noch im Ortsteil Lousberg gut zu erkennen ist. Damit wurden die Vorteile einer nachbarschaftlichen Ansiedlung mit dem eines geschlossenen, hofanschließenden Besitzes verbunden, wobei keine grossen Transportwege zwischen Hof und Feld aufkamen. Die alten Verbindungswege, die die Terrassenkante teilweise als Hohlwege schneiden, sind in Lüttelforst trotz Ton- und Kiesabbau in neuerer Zeit z. Teil erhalten! |
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